• Giess-Tipps für den trockenen Frühling

Giess-Tipps für den trockenen Frühling

19.05.2020 ERWIN MEIER-HONEGGER Garten-Center Meier, Dürnten

Im März und April gab es in der Schweiz kaum Niederschläge. Einige Gartenpflanzen leiden unter dieser Trockenheit. Aber auch ein Zuviel an Wasser kann den Gewächsen schaden. Welches Mass das richtige ist, weiss der Gartenexperte.

Die Monate März und April bescherten der Natur eine beängstigende Trockenheit. Erst Anfang Mai haben sich die himmlischen Schleusen wieder einmal geöffnet. Reicht dieser Regen nicht aus, müssen wir nachhelfen. Gleichzeitig ist es wichtig, sparsam mit dem wertvollen Wasser umzugehen. Bevor der trockene Garten panikartig unter Wasser gesetzt wird, sollte man sich überlegen, welchen Wasserbedarf die verschiedenen Pflanzen haben.

Was braucht wie viel Wasser?

Alles, was frisch gepflanzt wurde, muss separat betrachtet werden: Dort sind regelmässige Wassergaben wichtig. Mit «regelmässig» ist aber nicht täglich ein bisschen, sondern alle paar Tage durchdringend gemeint. Bleibt die Erde oberflächlich dauernd leicht feucht, sind die Pflanzen zu faul, um ihre Wurzeln auf der Suche nach Feuchtigkeit tief in die Erde zu treiben. Durch zu regelmässige, oberflächliche Wassergaben macht man seine Pflanzen quasi zu «Drogenabhängigen». Damit eine frisch gepflanzte Pflanze tief wurzelt und robust wird, darf sie durchaus auch einmal etwas «lampen», bevor sie wieder Wasser erhält.

Die meisten Pflanzen sind ziemlich zuverlässige Feuchtigkeitsanzeiger. Mit etwas Übung sieht man ihnen gut an, ob sie Wasser benötigen oder noch nicht. Die wichtigste Massnahme für sinnvolles Giessen ist, seine Pflanzen über einige Tage und Wochen genau zu beobachten und sich auf Veränderungen zu konzentrieren: Blattfarbe, -form und -ausrichtung vor und nach den Wassergaben. Gut sichtbar sind die Unterschiede zwischen Blattverfassung am späten Nachmittag eines heissen Tages und am nächsten Morgen nach der abendlichen Abkühlung. Selbst ohne Wassergaben erkennt man deutliche Unterschiede – dies hilft einem dabei, schnell ein Auge für die Wasserbedürfnisse seiner Pflanzen zu kriegen und deren Signale zu erkennen. Auch merkt man durch das Beobachten, welche Pflanzen trotz Trockenheit praktisch nie zusätzliches Wasser benötigen. Das eindrücklichste Beispiel hierfür sind im Freiland etablierte Rosen: Ich habe noch nie Welkesymptome an Rosenpflanzen festgestellt. Rosen zu giessen, ist ein Beispiel von unnötiger Wasserverschwendung. Dies gilt natürlich nicht für Rosenpflanzen in Gefässen oder frisch gepflanzte Rosen.

Gartenrosen zu giessen, ist ein Beispiel von unnötiger Wasserverschwendung.

Was heisst «durchdringend» wässern?

Bei frisch gepflanzten Sträuchern und Stauden sollte der ursprüngliche Wurzelballen gut durchnässt werden und das Erdreich drumherum – 30 cm tief und breit – feucht sein. Wenn man nicht ganz sicher ist, ob man es richtig macht, hilft ein Testloch: Hierfür einfach neben der Pflanze (ca. 30 cm entfernt) zwei bis drei Stunden nach der Wassergabe ein Loch graben und kontrollieren, wo und wie feucht die Erde ist. Bei bereits etablierten Pflanzen braucht es für die durchdringende Bewässerung ziemlich viel Wasser; bei einem grösseren Baum um die 300 Liter Wasser pro Giessvorgang – und zwar nicht um den Stamm herum, sondern im Tropfbereich der Krone. Dort, wo das Regenwasser von den Blättern oder Nadeln ins Erdreich runtertropft, ist das Wurzelwerk besonders aufnahmefähig. Grundsätzlich können etablierte Bäume jedoch erstaunlich lang mit jener Feuchtigkeit auskommen, die durch Kapillaren aus dem Grundwasser aufsteigt. Sinkt der Grundwasserspiegel bei längerer Trockenheit ab, wachsen die Wurzel sogar kurzfristig tiefer, um ausreichend versorgt zu sein. Je länger die Trockenheit anhält, desto schwerer kommt der Baum über die Wurzeln an dieses Wasser. Erst dann sind die erwähnten grosszügigen Wassergaben notwendig.

Zum allgemeinen Verständnis sei hier noch erwähnt, dass bei anhaltendem Regen das zurückströmende Grundwasser die neuen Wurzeln überflutet, ihnen dadurch den Sauerstoff nimmt und sie zum Absterben bringt. Oberhalb des neuen Grundwasserspiegels wachsen jedoch rasch neue Feinwurzeln, die sich an der Wasseroberfläche ansiedeln. Die Wurzeln passen sich dem Grundwasserspiegel immer wieder an. Ohne dass wir Menschen es wahrnehmen, ist die Natur erstaunlich gut eingerichtet. Dieses Grundverständnis ist wichtig, damit man seinen Garten bedarfsgerecht und wassersparend über Trockenphasen hinweg pflegen kann. 

Gefässe bewässern

Nicht ganz so flexibel sind Pflanzen in Gefässen. Die Grundregeln gelten zwar auch für sie: Wenn schon Wasser geben, dann gleich richtig. Jedoch nützt es nichts, wenn das Wasser unten wieder hinausläuft. Aus diesem Grund sind Gefässe mit Wasserreservoir für Sträucher empfehlenswert. Damit wird quasi das Grundwasser im Freiland simuliert, das mit Kapillarwirkung zu den Wurzeln hoch kommt. Wenn kein Wasserreservoir für das Auffangen des durchrinnenden Giesswassers zur Verfügung steht, sollten die Gefässe in zwei bis drei Anläufen gewässert werden. Immer gerade so viel, dass nichts unten herausrinnt. Nach 15 Minuten nochmals nachgiessen und vielleicht nach einer weiteren Viertelstunde ein letztes Mal. So verteilt sich die Feuchtigkeit im Topf optimal. Die Pflanzen können das Wasser schrittweise aufnehmen.

Noch ein Hinweis zu den Gefässen mit Wasserreservoir: Deren System respektive Vorteile funktionieren bei frisch gepflanzten Pflanzen noch nicht. Die Pflanzen müssen zuerst im Gefäss anwurzeln, bevor sie den Kapillareffekt nutzen können. Bei kleinen Gefässen – z. B. bei Blumenkisten für Sommerflor – ist ein Wasserreservoir in der Anwachsphase sogar gefährlich. Durch das Wasserreservoir bleibt die Erde in den kleinen Blumenkisten «dauerfeucht ». Im nassen Substrat hat es für die feinen Saugwurzeln keinen Sauerstoff – die lebenswichtigen feinen Gebilde können sich deshalb nicht gesund entwickeln. Das Resultat sind kümmerliche Pflanzen, die die Blüte verweigern. Sie sehen aus, als hätten sie es zu trocken, dabei ist das Gegenteil der Fall. Diese Situation ist generell eine der Herausforderungen bei der Deutung von Schadbildern: Ein zu viel des Guten bringt dieselben Symptome hervor wie Trockenstress. Man muss daher immer gut unterscheiden, welche der beiden Ursachen bei einer serbelnden Pflanze plausibler ist. 

Verbrannter Rasen: Wird er jemals wieder grün?

In Zeiten, in denen wir alle Wasser sparen müssen, darf der Rasen auch einmal verbrennen und dürr werden. Denn was die meisten kaum glauben: Der Rasen erholt sich wieder. Ursprüngliche Heimat der Rasengräser sind überwiegend sommertrockene, vollsonnige Steppen. Unsere Rasenmischungen sind daher gut an sommerliche Trockenheit angepasst. Die vertrockneten Halme schützen die Gräser vor dem vollständigen Absterben. Die Wurzeln bleiben intakt und treiben bei genügend Feuchtigkeit und grosszügiger Düngung wieder neu aus. Somit ist ein verbrannter Rasen lediglich ein ästhetisches Problem. Was im Garten unschön aussieht, ist grundsätzlich eine Art natürliche Schutzstarre, die dem Rasen das Überleben sichert.

Planlose Bewässerung ist eine Wasserverschwendung und macht Pflanzen
abhängig.
Typische Trockenstress-Symptome an
Portugiesischem Lorbeer.
Ein verbrannter Rasen erholt sich normalerweise wieder.